Autorenlesung Grit Poppe

Autorenlesung mit Grit Poppe und dem Zeitzeugen Stefan Lauter  

 

 

                       

Am Mittwoch, den 16.03.2011, war ein besonderer Tag für die vier Abschlussklassen der Hölderlin – Realschule. Grit Poppe, die Autorin der diesjährigen Prüfungslektüre „Weggesperrt“, war zu Gast auf Einladung der Schulleitung. Sie wurde begleitet von dem 43-jährigen Stefan Lauter, der den berüchtigsten Jugendwerkhof der DDR, Torgau, im Alter von 17 Jahren als Insassen kennen lernte.

Jugendwerkhof – dieser Begriff war uns Westdeutschen bislang eher fremd. Jugendwerkhöfe gehören zu einem der dunkelsten Kapitel der DDR-Geschichte Sie warten Einrichtungen der sogenannten Jugendhilfe und dienten u.a. dazu, Kinder und Jugendliche, die sich dem System entgegenstellten, wegzuperren.

Die Protagonistin „Anja“ aus dem Roman „Weggesperrt“ erlebt Durchgangsheime und eben auch Torgau. Dieser Jugendwerkhof war Margot Honnecker direkt unterstellt. Ein Ausreiseantrag von Anjas Mutter genügte, dass sie in die Tretmühle der DDR – Schikane geriet. Interessant ist auch, warum die Autorin diesen Roman schrieb. Die DDR – Geschichte entfiel in der Schule ihres Sohnes. Er hatte bis zur 10. Klasse noch nichts darüber erfahren, noch wurden historische Orte besucht. So schrieb sie ein Buch gegen das Vergessen.

Grit Poppe las zwei Stellen aus ihrem Jugendroman vor und erläuterte deren Entstehungsgeschichten. So waren es oft Zeitzeugen, mit denen sie nach der Wende 1989 sprach, die den Anstoß für die verschiedensten Episoden des Romans gaben.

Im zweiten Teil  der zweistündigen Veranstaltung gab uns Stefan Lauter einen anschaulichen Einblick in das primitive Strafregister der Erzieher von Jugendwerkhöfen. Mitgebrachte Handschellen, Zellenschlüssel, Gummiknüppel, Ketten zum Abschleppen von Jugendlichen - alles Originale – verstärkten den Eindruck von der DDR  als Unrechtsstaat.

Noch heute leidet Stefan Lauter unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Ohne Therapie, so sagte er, würde er heute nicht vor Schülern sitzen und über seine Erlebnisse sprechen, Es ist traurig, dass die Opfer nur eine geringfügige Entschädigung vom Staat für die gestohlene Jugend und die psychisch belastete Zeit danach erhalten. Wir erfuhren auch, dass viele Jugendliche durch Suizid starben, weil sie für sich keine Hoffnung auf ein lebenswertes Leben sahen.

Die anschließende Fragestunde nutzten die Schülerinnen und Schüler mit Interesse aus. Es gab viel Schlussapplaus. Die Hoffnung, Anregungen für den Prüfungsaufsatz „Produktive Textgestaltung“ aus der Veranstaltung mitnehmen zu können, dürfte sich erfüllt haben.