Religionsunterricht auf zwei Rädern

 

 

Im Religionsunterricht haben wir uns in den letzten Wochen mit dem Sinn des Lebens beschäftigt. Doch was, wenn plötzlich alles ganz anders wird?! Was, wenn wir beispielsweise durch einen Unfall unsere Mobilität verlieren und von diesem Zeitpunkt an auf einen Rollstuhl angewiesen sind? Wir alle bewegen uns tagtäglich frei durch den Alltag, meist ohne auf mögliche Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit zu achten. Deshalb hat die evangelische Religionsgruppe 9abe am 26.09.2017 das Schulgebäude und die Stadt Lauffen mit zwei Rollstühlen und einem Paar Krücken auf die Behindertentauglichkeit getestet.

Vorab wurde ein Plan erstellt, welche Bereiche getestet werden sollen. So fanden wir schnell heraus, dass die Klassenräume unserer Schule für Rollstuhlfahrer nur mäßig geeignet sind. Bereits bei der freien Platzwahl im Klassenzimmer wurden wir vor eine Herausforderung gestellt, da die Sitzordnung es nicht zuließ, dass die Rollstuhlfahrer an jedem Platz sitzen könnten. Ein plötzlicher Raumwechsel, zum Beispiel in den Computer- oder Musikraum, stellte eine große Anforderung dar. Das Schulgebäude ist mit seinen vielen Treppen eine Herausforderung, besonders beim Ansturm zur ersten Stunde oder vor und nach einer Pause. Bestens geeignet waren hingegen der Aufenthaltsraum sowie die Zugänge zu den Schülertoiletten und den Hauswirtschaftsräumen, die neu gebaute Mensa und unsere Sporthalle.

Außerhalb des Schulgeländes wollten wir unsere Mitmenschen auf deren Reaktion testen.  Auf dem Weg zum nahegelegenen Supermarkt machten uns allerdings erstmals die hohen Bordsteine zu schaffen. Auch mussten wir erkennen, dass wir einen großen Umweg fahren mussten, da wir ohne fremde Hilfe nicht den direkten Weg über die Treppen nutzen konnten. Im Laden angekommen hatten wir nach solidarischen Bürgern gesucht – und zum Glück auch welche gefunden. Auf manche Lebensmittel in den höher gelegenen Regalen konnten wir beispielsweise ohne fremde Hilfe nicht zugreifen. Auch das Bezahlen an der Kasse war eine Hürde, denn wohin so schnell mit den ganzen Einkäufen?! Hier war uns die Kassiererin eine große Hilfe. Leider gab es aber auch Mitmenschen, die uns lediglich angafften und unseren Weg mit ihren Einkaufswägen versperrten beziehungsweise im Straßenverkehr keine Rücksicht auf uns nahmen.  

 

Insgesamt war es ein gelungenes Experiment, das uns aufzeigte, wie gut wir es eigentlich haben, denn uns war vorher nicht bewusst, wie anstrengend es ist und wie viel Muskelkraft es erfordert, alle Wege im Rollstuhl oder auf Krücken zurückzulegen. Wir haben gelernt, mehr auf unsere eingeschränkten Mitmenschen zu achten und diese bei Bedarf zu unterstützen.  Diese Stunden haben uns gezeigt, dass wir uns glücklich schätzen können, uns uneingeschränkt bewegen zu können. Ein besonderer Dank geht an die Diakonie-Sozialstation Lauffen a.N., die es uns durch den Verleih der Rollstühle ermöglicht hat, dieses Experiment durchzuführen.

Robin Buchholzer, 9a